Neue Horizonte für die aserbaidschanisch-vietnamesische Zusammenarbeit – im Vorfeld des Besuchs von To Lam in Baku

Wirtschaftvor 10 Monat695 Aufrufe

Trotz geografischer Entfernung bauen Aserbaidschan und Vietnam eine belastbare und für beide Seiten vorteilhafte Partnerschaft auf, die von Pragmatismus und gemeinsamen Interessen in zentralen Sektoren getragen wird.

Heute wird Aserbaidschan einen hochrangigen Gast empfangen – To Lam, Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Vietnams – zu einem offiziellen Staatsbesuch. Es handelt sich um den ersten Besuch auf so hoher Ebene seit mehreren Jahren und er markiert einen wichtigen Schritt zur Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Baku und Hanoi. Erwartet wird, dass der Besuch nicht nur ein Symbol des politischen Dialogs darstellt, sondern auch konkrete Impulse für die Erweiterung der strategischen Partnerschaft geben wird.

In den letzten Jahren haben sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern deutlich intensiviert. Die Handelsvolumina steigen, die Kooperation im Öl- und Gassektor wird ausgebaut, und es entstehen neue Plattformen zur Unterstützung der Zusammenarbeit von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Gleichzeitig wachsen die kulturellen Austauschprogramme, und es eröffnen sich neue Chancen im Transport- und Logistikbereich – insbesondere angesichts der zunehmenden Bedeutung Aserbaidschans als Transitdrehscheibe.

Angesichts der Veränderungen im globalen Wirtschaftsumfeld und dem Bestreben vieler Länder, ihre außenwirtschaftlichen Partnerschaften zu diversifizieren, ist Vietnams Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit mit Aserbaidschan sowohl zeitgemäß als auch strategisch sinnvoll. Die bevorstehenden Gespräche in Baku könnten den Beginn einer neuen Phase in den bilateralen Beziehungen markieren – strukturierter, strategischer und langfristig ausgerichtet.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Vietnam entwickeln sich kontinuierlich. Im ersten Quartal 2025 betrug das bilaterale Handelsvolumen 127,2 Millionen US-Dollar, wobei Aserbaidschans Exporte – hauptsächlich Rohöl – 91,8 Millionen US-Dollar ausmachten. Die Importe aus Vietnam beliefen sich auf 35,4 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 lag das Handelsvolumen bei 223,9 Millionen US-Dollar, was eine positive Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen widerspiegelt.

Ein bedeutender Meilenstein war 2024 die Unterzeichnung von Kooperationsvereinbarungen zwischen der aserbaidschanischen Agentur für die Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen (KOBIA) und dem Vietnam International Business Relations Club. Diese Initiative zielt darauf ab, direkte Verbindungen zwischen Unternehmern beider Länder zu stärken und die Grundlage für gemeinsame Projekte zu schaffen.

Die Energie bleibt ein Eckpfeiler der Zusammenarbeit zwischen Aserbaidschan und Vietnam. Vietnam ist seit Langem ein stabiler Abnehmer aserbaidschanischen Rohöls. Allein im Jahr 2024 exportierte Aserbaidschan 138.500 Tonnen Rohöl und Erdölprodukte im Wert von 77,9 Millionen US-Dollar nach Vietnam, womit das Land auf Platz 21 der größten Abnehmer aserbaidschanischen Öls rangierte.

Seit mehr als einem Jahrzehnt arbeitet die staatliche Ölgesellschaft Aserbaidschans (SOCAR) mit den führenden vietnamesischen Energieunternehmen – PetroVietnam und Vietsovpetro – im Bereich der Exploration, Ölversorgung und Raffination zusammen. Wichtige Etappen waren das strategische Partnerschaftsabkommen von 2015 und die Entscheidung zur Gründung gemeinsamer Unternehmen im Jahr 2018.

SOCAR Trading spielte dabei eine besonders wichtige Rolle. 2020 unterzeichnete das Unternehmen Verträge mit Binh Son Refining (BSR) zur Lieferung von fünf Millionen Barrel Azeri Light-Rohöl an die Raffinerie Dung Quat. Dies wurde möglich, nachdem Vietnam die Importzölle auf Rohöl abgeschafft hatte und so neue Exportkanäle für aserbaidschanische Produzenten eröffnete.

Zudem zeigt Vietnam wachsendes Interesse am Transitpotenzial Aserbaidschans – insbesondere im Rahmen des Mittleren Korridors, auch bekannt als Transkaspische Internationale Transportroute. Aserbaidschan hat erhebliche Investitionen in die multimodale Infrastruktur getätigt, darunter in die Modernisierung von Seehäfen, Eisenbahnlinien und Logistikzentren. Mit dem modernen Internationalen Seehandelshafen in Baku und einem leistungsfähigen Schienennetz hat sich das Land zu einem bedeutenden Logistikknotenpunkt in Eurasien entwickelt.

Für vietnamesische Exporteure eröffnen sich dadurch neue Landwege nach Europa, die längere traditionelle Seehandelsrouten über das Südchinesische Meer und den Suezkanal umgehen.

Über Wirtschaft und Energie hinaus entwickeln sich auch humanitäre und kulturelle Beziehungen. In Vietnam gibt es ein Zentrum für aserbaidschanische Geschichte und Kultur sowie eine Vietnam-Aserbaidschan-Freundschaftsgesellschaft, die den Austausch zwischen den Gesellschaften fördert.

Seit 2018 können Bürger Aserbaidschans E-Visa für Aufenthalte von bis zu 30 Tagen in Vietnam beantragen. 2019 unterzeichnete der Verband der Tourismusagenturen Aserbaidschans eine Absichtserklärung mit den Behörden der Provinz Quang Nam, um den Tourismusaustausch zu fördern und gemeinsame Projekte im Gastgewerbe zu unterstützen. Auch im Bildungsbereich streben beide Länder eine engere Zusammenarbeit an, mit Programmen zum Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern.

Die Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Vietnam entwickeln sich in vielen Bereichen stetig weiter – von Energie und Handel über Transport bis hin zu Kultur. Der bevorstehende Besuch von To Lam in Baku dürfte zu einem entscheidenden Moment im bilateralen Dialog werden und das gemeinsame Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit unterstreichen.

Auf der einen Seite steht Vietnam mit seiner schnell wachsenden industriellen Basis, auf der anderen Aserbaidschan mit seiner strategischen Lage sowie einer leistungsfähigen Logistik- und Energieinfrastruktur. Diese sich ergänzenden Stärken bieten eine solide Grundlage für eine neue Phase der Partnerschaft – eine, die den langfristigen Interessen beider Nationen gerecht wird.

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